Wollen Sie 120 Jahre alt werden? Wenn ja, dann essen Sie auf keinen Fall, nie, unter gar keinen Umständen Gemüse und Obst! Diese Nahrungsmittel sind übel, das Wasser, das sie besitzen, bringt die Lebenssäfte durcheinander, schränkt das Denken ein und die Fähigkeit, kultiviert zu debattieren. Im schlimmsten Fall drohen Trübsinn, Verfall, Depression. Letzteres nannte der Arzt Tommaso Rangone Melancholie. Was dem Sprachgebrauch der italienischen Renaissance entsprach. 1550 warnte der Mediziner aus Ravenna in seinem Diätbestseller eindringlich vor kulinarischen „seltsamen und schrecklichen Dingen“, so einer seiner Kollegen. An erster Stelle der Dinge, mit denen man die eigene Langlebigkeit aufs Spiel setze, rangierte die Tomate.
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Die Tomate? Die heute mit dem Stiefelland in eins gesetzt wird? Schließlich gibt es kaum ein italienisches Gericht, an dem nichts Tomatiges ist. Manche meinen sogar, der rote Streifen der Landesflagge repräsentiere die prallrote Sommerfrucht.
- Foto: picture-alliance / All Canada Ph/All Canada Photos Gurke im Cocktail: Cucumber Sling
Zutaten: 6 cl Shochu (Japanischer Wodka), 6 cl Gurkensaft, 2 cl Zuckersirup, 2 cl Zitronen Saft, Fleur de Sel
Zubereitung: Rote Gurken mitsamt Schale und Kernen entsaften. Die eisgekühlten Zutaten shaken und in ein eisgekühltes Weinglas abseihen. Ohne Eis, mit einer dünnen Spirale aus Gurkenschale und einer Prise Fleur de Sel servieren.
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- Foto: Getty Images/StockFood/StockFood Gurken im Cocktail II: Pimm's No. 1
Zutaten: 5cl Pimm's, Gurke, Orangenviertel, Zitronenscheibe, 7Up Lemonade, Eiswürfel + wahlweise frische Minze oder trad. Borretsch ( auch Gurkenkraut genannt!)
Zubereitung: Wichtig ist ein hübsches Glas! Dann den Likör mit den Gurkenscheiben, den Zitrusfrüchten und den Eiswürfeln gut verrühren. Mit 7Up, nur Notfalls mit Fanta oder Bluna auffüllen. Nochmals rühren, dann mit dem Borretsch verfeinern.
- Foto: picture-alliance / Peter Durant//Arcaid Arbeiten im Gurkenturm: Offiziell heißt dieser 180 Meter hohe Wolkenkratzer im Londoner Finanzbezirk "Swiss-Re-Tower". Bekannt ist das von 2001 bis 2004 erbaute Hochhaus von Ken Shuttleworth und Sir Norman Foster aber als "The Gherkin" (englisch für Gurke).
- Foto: spreewald-praesente.de Gurke aus der Flasche: Im Spreewald entstehen nicht nur hervorragende Gewürzgurken. Auch dieser Likör wird in der brandenburgischen Gurkenhochburg produziert. Frisch und leicht süßlich strömt es einem bereits beim Öffnen der Flasche entgegen. Die Spirituose eignet sich besonders gut als Basis für einen leichten Cocktail. Man kann den Likör natürlich auch pur trinken, zum Beispiel in einer lauen Sommernacht: am besten im Grünen. Erhältlich über www.spreewald-praesente.de
Ihren historisch verbürgten ersten Auftritt auf italienischem Boden hatte die Tomate am 31. Oktober des Jahres 1548 in Pisa. Der Leibkoch Cosimo I. de' Medicis präsentierte seinem Herrn und dessen Familie ein Überraschungsgeschenk, das vom medicischen Landsitz in Torre del Gallo nahe Florenz stammte: Tomaten. Die damals „pomi d'ori“, Goldäpfel, genannt wurden. Verwundert nahmen die Medici dieses etwas bizarre, zugleich höchst exklusive Präsent in Augenschein. Nicht überliefert ist, ob die Tomaten ihnen danach als Speise, roh oder gekocht oder in Kombination mit anderem, auch vorgesetzt wurden.
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In der frühen Neuzeit wurde sie mit einem Bann belegt
Wohl eher nicht, glaubt man dem Historiker David Gentilcore von der englischen University of Leicester. In seiner unprofessoralen Geschichte des Schicksals und der Fährnisse der roten Frucht in Italien erzählt er ausführlich davon, wie stark die Tomate in der frühen Neuzeit mit einem Bann belegt wurde. Und dass sie erstaunliche 300 Jahre brauchte, um sich durchzusetzen und in allen italienischen Küchen und auf den Esstischen zu landen. Viel länger als Mais und Kartoffel, Tabak oder Chili, die aus der Neuen Welt stammen. So wie diese stammt auch die Urform der Tomate aus Südamerika. Vom westlichen Küstenhochland des Subkontinents verbreitete sie sich gen Norden nach Mittelamerika, wurde von den Maya domestiziert, von den Azteken angebaut, die die rote Frucht „tomatl“ nannten, und kam schließlich durch die spanischen Konquistadoren, die das Aztekenreich ausplünderten, nach Europa.
Heute weiß man: Diese Frucht mit Migrationshintergrund ist außerordentlich gesundheitsfördernd, voller Vitamin C, bei einem Wassergehalt von mehr als 90 Prozent kalorienarm, der sekundäre Pflanzenstoff Lycopin ein Radikalenfänger und, was medizinische Studien der letzten 20 Jahre zeigten, für die Krebsvorsorge zu empfehlen. Lycopin wird am besten vom menschlichen Körper aufgenommen, wenn man Tomaten in Öl erhitzt. Das empfahl schon 1544 der italienische Botaniker und Apotheker Pietro Mattiolo. Doch sein gastro-medizinischer Ratschlag verhallte lange wirkungslos.
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- Foto: Artedona Aufgegabelt: Gibt es etwas Unappetitlicheres als ein zartes Pflänzchen, das beim Anblick einer gedeckten Tafel sagt "Och, für mich bitte nur ein Blatt vom Chicoree"? Mit diesem Besteck kann man für so schlechtes Benehmen endlich Rache nehmen. Es ist nämlich nicht möglich, damit wenig zu servieren. Im Gegenteil: Zwischen Gabel und Löffel passen gut zwei Pfund Kartoffelsalat. Und der unhöfliche Gast wird gar nicht merken, wie viel man ihm serviert – weil er ganz verzaubert die silbernen Griffe betrachtet. Von Arca über Artedona.com
- Foto: Hermès Gute Investition: Es gibt praktisch keinen Grund, warum man sich die Salatschüssel "Les maisons enchantées" von Hermès kaufen sollte. Andererseits: Wenn man die wunderschöne – und wahnsinnig teure –
Schale erst mal besitzt, wird man immer nur Salat essen wollen. Morgens, mittags und abends. Man wird sich quasi nur noch von Rohkost ernähren. Man wird plötzlich viel gesünder sein und womöglich ein längeres Leben führen. Und das alles nur wegen einer Salatschüssel. Wie praktisch.
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- Foto: Manufactum Vroom Vroom: Traditionell gehören Küchengeräte nicht zu den Geschenken, mit denen man einen Mann (oder eine Frau) beeindrucken kann. Aber sollte einem in letzter Minute doch mal ein Gastgebergeschenk fehlen: Wie wäre es mit einer Pfeffermühle mit einem geschmiedeten Mahlwerk von Peugeot? Gern geschehen. Über manufactum.de
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- Foto: Fattoria La Vialla Das geht runter wie Öl! In der Fattoria La Vialla weiß man, wer die Kunden sind: die Toskanaromantiker. Deshalb sieht man auf der Webseite groß ein Landhaus vor Olivenhain und erfährt, dass der Hof von einer Familie biodynamisch geführt wird. Das Olivenöl wäre auch ohne dieses Image grandios. Bestellen über la-vialla.com
Mitte des 18. Jahrhunderts waren Tomaten in Italien zwar verbreitet, aber fast nur der gesellschaftlichen Oberschicht vorbehalten. Auch wenn Gentilcore in einer anonymen landwirtschaftlichen Abhandlung, die zu dieser Zeit gedruckt wurde, die zwei vielleicht frühesten Tomatenrezepte Sardiniens fand.
Eine Adlige war es auch, die für das heute riesige Tomatenanbaugebiet rings um Parma verantwortlich ist – eine Österreicherin im Exil und deren französischen Leibkoch. Marie Louise von Habsburg-Lothringen, die zweite Frau Napoleons I., entschied sich 1814 für den Rückzug auf ihre Güter nahe der oberitalienischen Stadt; und ihr Koch Jean-Gabriel Leblanc, kurbelte dort das Tomatenhegen und -pflegen in immer größerem Maßstab an.
Wenige Jahrzehnte später beschrieben zwei neapolitanische Ärzte erstmals Tomatensauce als Grundlage des für ihre Heimatstadt typischen Fladenbrotes, das sie „Pizza“ nannten. Danach hatte die Neue Welt bei der Tomate wieder die Nase vorne.
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Die meisten italienischen Tomaten stammen heute aus Amerika
1847 füllte ein US-amerikanischer Unternehmer erstmals Blechkonserven mit der roten Frucht. Nur 30 Jahre später landeten in den USA jährlich 19 Millionen Tomaten in Dosen. Und was wären „French Fries“ und Burger ohne rote Soße? 1899 war die H. J. Heinz Company aus Pittsburgh der weltgrößte Fabrikant von Ketchup. In Italien selbst stieg erst ab den frühen 1950er-Jahren der Tomatenverbrauch rapide an.
Die Ironie bei der Tomate, deren Geschichte mehrfach über den Atlantik und wieder zurückführte, ist: Die meisten der aktuell in Italien geernteten Tomatensorten (Ventura, Chico oder Cal-j) sind Neuzüchtungen aus den Labors nordamerikanischer Saatguthersteller.
Geradezu mittelalterliche Foltertorturen lassen sich der Tomate zufügen. Sie wird gevierteilt, zerschnitten, in Öl gekocht, geschmort, ihr wird sogar die Haut abgezogen. Aber sie lässt sich auch pürieren, trocknen, einlegen. Oder mit warmem Ingwersud übergießen. Das zeigen zwei Tomatenkochbücher. Jenes von Karen Schulz aus dem Edel Verlag (hier ) präsentiert die schnelleren, einfacheren Gerichte. Tomate als Smoothie, Cocktail oder auf Brot, aber auch mit Muschelnudeln, Lammspieß oder Dorade. Instruktiv ist die kleine Warenkunde: Tomaten können gelb sein, kürbis- oder birnen- oder paprikaförmig.
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- Foto: Luzia Ellert / Collection Rolf H/Tomate "Tomate" von Elisabeth Ruckser, Gabriele Halper (Rezepte) und Luzia Ellert (Fotografien). Collection Rolf Heyne, 39,90 Euro.
Das große Plus des Bandes aus der Collection Rolf Heyne (hier ) mit Gabriele Halpers gut nachkochbaren, fantasievoll lockenden Rezepten – einem österreichisch-internationalen Mix wie geschmortem lila Blumenkohl mit Tomatenmasala, Safrangalette mit Zitronen-Crème-fraîche, Zimtwachteln mit Tomatenpilaw oder Brandteig-Petersilien-Gnocchi mit roher Tomatensauce – ist das schwere Papier. So kann man ihn aufgeschlagen liegen lassen und hat beide Hände frei, um sich dem wirklich Wichtigen zu widmen: der Tomate. Schon der Triester Dichter Umberto Saba schwärmte nach einem Essen mit Gabriele D'Annunzio in den 1930er-Jahren von ihr, nachdem er das erste Mal Tomatensauce gegessen hatte. Und nannte sie: „una purpurea meraviglia“– ein purpurfarbenes Wunder.




